11 Jahre danach

Vor rund 11 Jahren begann der offizielle Ausbau des DVB-T Netzes. Begonnen hat es in Köln/Bonn, Hannover/Braunschweig und Bremen/Unterweser. Damit sollte der terrestrische Fernsehempfang wieder belebt werden. Noch nicht wirklich umgesetzt, wird bereits auf ein neues Pferd gesetzt.

DVB-T Emfpangskarte (Quelle: Ueberallfernsehen.de)
DVB-T Emfpangskarte (Quelle: Ueberallfernsehen.de)

Die Umstellung war eine teuere und zähe Angelegenheit. Und sie zog sich über mehrere Jahre. Genau genommen ist der Ausbau bis heute noch nicht so, wie es am Anfang versprochen wurde. Denn es gibt noch genug Landstriche, in denen das „Überallfernsehen“ nur mit großem technischem Aufwand — oder gar nicht — emfangen werden kann. Das zeigt ein Aufruf der Empfangsprognose (Screenshots vom 28.07.2015).

DVB-T-Emfpang Bereich Dessau (Quelle: Ueberallfernsehen.de)
DVB-T-Emfpang Bereich Dessau (Quelle: Ueberallfernsehen.de)

Markanterweise klappt es in einigen Bereichen auf dem Acker besser, als im heimischen Wohnzimmer, wie die zufällig gewählte Beispielkarte aus dem Raum Dessau zeigt. Zum Verständnis: Gelb = soll mit Zimmerantenne klappen, Rot = Außenantenne erforderlich, Grün=Dachantenne erforderlich. Wobei selbst die in einigen Bereichen nicht ausreicht. Das Tal der Ahnungslosen gibt es weiterhin.

Zu allem Überfluss wussten Insider bereits bei Einführung, dass DVB-T nur eine vorübergehende Erscheinung ist. Weil es für schon damals verfügbare Standards, wie beispielsweise HDTV-Fernsehen, technisch nicht ausreichte. Das wurde von den Verantwortlichen jedoch vorzugsweise verschwiegen, denn das hätte die sowieso schleppende Einführung womöglich zu einem Projektdesaster werden lassen.

Nachdem es gerade mal einigermaßen flächendeckend funktioniert, wird DVB-T dem Willen der Bundesregierung folgend, bereits wieder eingestampft. Zugunsten von DVB-T2. Das ist natürlich viiiiel besser. Muss es auch, denn die bisherigen Altgeräte gehen alle auf die Deponie. Sie sind inkompatibel. So kann man die Elektronik-Wirtschaft natürlich auch beleben.

Außerdem müssen erst mal wieder rund 20 Milliarden in die Hand genommen werden, damit es überall verfügbar wird. Selbstverständlich hat das nur das Beste für die Bevölkerung als Ziel. Denn mit DVB-T2 gibt es eine „digitale Dividende“, also Frequenzen, die der Staat für teuer Geld versteigern kann. Die stehen dann für den Breitbandausbau bereit, damit das Mobiltelefon dem terrestrischen Fernsehen endgültig die Existenzberechtigung unter den Füßen wegziehen kann.

Allerdings hat dort das öffentlich-rechtliche Fernsehen die Macht. Im Breitbandbereich, volkstümlich Internet auf´m Handy, muss man sich mit diversen Mitbewerbern herum schlagen. Trotz der weiterhin sehr agressiven Hinweise auf das Angebot im Netz während praktisch jeder Sendung, bei der ein(e) Sprecher(in) vom Teleprompter abliest.

Rückblickend auf den schnellen und flächendeckenden Ausbau bei DVB-T ist bereits heute eins ziemlich sicher: Bis DVB-T2 überall verfügbar ist, dürfte es bereits wieder überholt sein. Oder an dem Dilemma scheitern, dass einiges in der „Norm“ leider nicht genormt ist, was eine erfolgreiche Einführung kaum fördern wird.

Ob spätestens dann die Politiker kapieren, dass man tote Pferde nicht durch sterbende ersetzen sollte, bleibt abzuwarten. Jetzt wird jedenfalls zügig das sterbende erschossen. Wer schlau ist, spart sich allerdings den Kauf eines DVB-T2-Empfängers und nutzt gleich die digitale Dividende, mit der Videos übers Netz nach Hause kommen. Denn die könnte deutlich schneller dort eintreffen, als das DVB-T2-Signal. Da kümmern sich nämlich keine Politiker oder öffentlich-rechtliche „Fürsten“, sondern Profis.

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Kommentar von Andreas Frick |

Tatsächlich stellte mein Sohn – der bis 2008 – bei mir wohnte, bei Experimenten auch fest das es hier mit dem DVB-T nicht weit her war, und weiterhin das die fast überall gegen-wärtigen Funkantennen der Mobilfunkprovider auch ihren Teil zu dem Desaster beitrugen.
Als angehender Fachabiturient war er damals mehr an der Technik interessiert als an den Programmen der Sender, und meine Wenigkeit unterstützte sein Interesse weil es für sein zukünftiges berufliches Fortkommen nützlich war. Persönlich bevorzuge ich Texte die ich nach belieben wieder aufrufen kann. Bei Bewegtbildern und verbalen Informationen geht zu viel an mir vorbei, um sie hinterher richtig interpretieren und analysieren zu können.

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