WISO Tests

Das WISO-Magazin des ZDF veranstaltet mit unseren Gebühren Tests. Diese werden sehr selbstbewusst präsentiert, werfen jedoch einige Fragen auf.

Letzten Montag waren Zahnbürsten dran. Elektrische gegen Handbürsten. Es gab drei Prüfkriterien, die für sich betrachtet schon eine Prüfung wert sind:

  • Der Preis.
    Dass eine schlichte Handbürste in der Herstellung andere Anforderungen stellt, als ein rotierender Bürstenkopf — offenbar ein unerhebliches Detail.
  • Die Putzleistung.
    Geprüft mit einer Schulkasse. Wie selbst eingeräumt, nicht repräsentativ. Für eine maßgebliche Bewertung dann aber doch genug.
  • Die Abrasion.
    Sich bewegende Bürsten neben statischen Bürsten auf und ab über Zähne schieben erzeugt einen vorhersehbaren Effekt: Die mit mehr Bewegung erzeugen mehr Abrasion.

Betrachtet man die drei einzigen und ausschlaggebenden Punkte für ein von WISO daraus gefälltes, abschließendes Urteil, fällt vor allem auf: Hier wird ein Fahrrad mit einem Motorrad verglichen.

Natürlich ist ein Motorrad teurer als ein Fahrrad. Was daran liegen könnte, dass für den Vortrieb mehr als eine Kette und zwei Ritzel erforderlich sind. Natürlich kann man außer Acht lassen, dass für das in den Verkehr bringen von technischen Geräten etwas andere Regeln gelten, als es für schlichte Bürsten der Fall ist. Was neben Forschungskosten weitere Kosten verursacht.

Spannende Aspekte, ob beispielsweise die verwendeten Kunststoffe Weichmacher enthalten, oder die Borsten scharfkantig sind — halt Dinge, die mir als Verbraucher schaden oder nützen — waren offenbar weniger interessant, als die stumpfe Aussage, dass bei allen gekauften Handbürsten der Preis etwa halb so hoch ist, wie bei der Feinmechanik für Elektrische.

Da könnte man dagegen halten, dass ein Fahrrad, dass halb so viel wie ein Motorrad kostet, eigentlich ganz schön teuer ist.

Je zehn Schüler mit Farbe im Mund als Maß für die Putzqualität heranziehen, die dann sogar noch um einen einigen Punkt Unterschied ausgeht — hier wird es grenzwertig.

Es wird zwar Eingangs erwähnt, dass der Putztest nicht repräsentativ ist. In der abschließenden Note ist davon jedoch keine Rede mehr. Vielmehr wird trotz der selbst erkannten Schwäche des Testverfahrens und dem Umstand, dass es im Grunde patt ausging, der gesamte Testabschnitt der Handbürste zugeschlagen.

Es wird gezeigt, dass alle Schüler zwei Minuten putzen mussten — ob eine Einweisung, wie man ordentlich putzt erfolgte, bleibt der Bericht schuldig. Ob es einen Kreuztest gab, also die Gruppen einmal elektrisch und einmal von Hand putzten und was dabei herauskam — keine Rede davon.

Einfachste Regeln für ein belastbares Testergebnis werden ignoriert.

Zumindest legt der Bericht das nah. Wobei sich das noch toppen lässt. Denn dass man ein Institut mit der Prüfung der Abrasion, also des Abriebs des Zahnbelags durch die Bürsten, beauftragt — tolle Sache.

Beim Blick auf die Testanordnung fällt jedoch auf, dass alle Bürsten den gleichen Weg zurücklegen müssen. Sie werden mit identischer Geschwindigkeit über Zahnelemente bewegt. Auf und ab. Dass eine elektrische Zahnbürste aufgrund der motorischen Bewegung völlig anders im Mund, nämlich signifikant langsamer, geführt wird — uups!

Das Ergebnis ist dann wenig verwunderlich. Weil die elektrischen natürlich bei gleichem manuellen Weg durch die Rotation oder Schwingung viel mehr Borstenweg absolvieren, rubbeln sie — oh welch eine Überraschung — mehr von den Zähnen runter.

Dass ein Schwingschleifer mehr abreibt, als ein Schleifblatt in der Hand, wenn man beides mit gleicher Geschwindigkeit von vorn nach hinten über ein Brett schiebt, hat durchaus etwas beruhigendes. Das ist der Zweck des Geräts.

Einfachste physikalische Zusammenhänge werden ausgeblendet.

Wenn die Privatsender mit solchen Beiträgen die Zeit zwischen den Werbeblöcken füllen, könnte man das noch damit abtun, dass es halt für mehr nicht reicht. Wenn das Zweite, mit dem man angeblich besser sieht, in einem Möchtergern-wissenschaftlichen Mäntelchen daher kommt und professionelle Verbraucherberatung suggeriert, ist es jedoch ärgerlich.

Genau solchen Quatsch sollen die Rundfunkbeiträge verhindern. Zumindest ist das eines der Argumente, warum wir über 200 € pro Jahr abgenötigt bekommen: die höhere Qualität der Beiträge. Aber:

Wenn der öffentlich-rechtliche Mist genauso stinkt wie beim privaten Nachbarn, müssen wir ihn nicht noch mit Kraftfutter in Form von Rundfunkbeiträgen finanzieren.

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Kommentar von Lizensierter |

es wird nicht lange dauern, dann kommt „Richterin Barbara Salesch“...

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