Im Streit mit Gottes Boten

Köln, die Heimat des Beitragsservice der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, entwickelt sich mehr und mehr zur Hölle für den neuen Staatsvertrag. Wobei das — wie so vieles — vorhersehbar war, insbesondere, wenn man sich mit Gottes Stellvertretern anlegt.

Die Stadt zahlt nicht beziehungsweise nach Ermessen und das Bistum ruft nun die Himmelsmächte an, auf dass sie auf den Beitragsservice herabfahren mögen. Die Aussage der Rundfunkanstalten «für über 90% der Beitragszahler bleibt alles beim alten» entpuppt sich zumindest für einen rapide wachsenden Prozentsatz von Betrieben, Behörden und Gemeinden als Lüge. Wenn das so weitergeht, wird die Kernseife für Mundspülungen knapp.

Allerdings lassen die Herren in Soutane einen erschreckenden Mangel an Kenntnis des Bösen erkennen. Es hat etwas von naivem Kinderglauben:

«Aus Sicht der Kirche würde also für Kindergarten, Pfarrbüro und Bibliothek nur ein Beitrag fällig, sofern sie nebeneinander liegen».

Hallo! Das ist der Beitragsservice! Der hieß vorher GEZ und diese Buchstaben stehen für „Geldgeile Eitle Zecke“. Kein Geschöpf Gottes, denn so steht es bei Matthäus 6,24: « Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.»

Die Rundfunkanstalten, deren Sklave der Beitragsservice ist, haben sich für den Mammon entschieden. Die Beitragsforderungen der Anstalten lassen sich mit einer biblischen Plage vergleichen, nämlich den Heuschrecken, die über das Land ziehen. Also Jungs: Ab in die Gebetsräume und alle Kerzen anzünden, derer ihr habhaft werden könnt. Denn Heuschrecken lassen sich am besten mit Feuer bekämpfen. Nicht ohne Grund ist das Fegefeuer ein fester Themenblock in eurem Club.

Mit Blick auf den einfachen Gebührenzahler ist das — schon wieder — eine Abzocke bei denen, für die sich angeblich nichts ändert. Denn verfolgt man das Geld der Kirche zurück, kommt es aus den Spenden in den Klingelbeuteln und Steuerbeiträgen der Gläubigen. Die „Spende für die Bedürftigen“ lässt sich mit Blick auf die Milliarden der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten allerdings schwerlich darstellen.

Nur um das klarzustellen: Das „nebeneinander liegende“ Betriebsstätten kein hinreichendes Argument sein können, steht doch schon beim Beitragsservice:

«Im Einzelfall können sich in einem Gebäude aber auch mehrere, zu unterschiedlichen Zwecken genutzte Raumeinheiten befinden, mit der Folge, dass hier dann auch mehrere Betriebsstätten vorliegen (z. B. Rathausgebäude mit integriertem städtischem Kindergarten im Untergeschoss).».

Also selbst ein Kindergarten im Kirchenschiff würde extra kosten, denn das ist dieser Definition folgend eine eigene Betriebsstätte. Spätestens jetzt sollte klar werden, mit wem der öffentlich-rechtliche Rundfunk paktiert, wenn er mit seinen Gebühren sogar in das Allerheiligste eindringen kann.

Aus der letzten These ergibt sich jedoch ein interessantes Spannungsfeld, s. «Rundfunkbeitragsstaatsvertrag und Religion»

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